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Warum ich für meine Kinder investiere

Warum ich für meine Kinder seit ihrer Geburt investiere, weshalb meine Eltern mich dabei geprägt haben und warum Zeit der größte Vermögenshebel überhaupt ist.

Von David Nguyen28.7.2026
Warum ich für meine Kinder investiere

Die Geschichte meiner Eltern

Meine Eltern kamen in den 1980er-Jahren nach Deutschland und mussten sich hier ein völlig neues Leben aufbauen. Sie fingen bei null an – und wie wir alle wissen, ist genau dieser erste Schritt oft der schwierigste. Besonders dann, wenn man Anfang 30 ist, eine völlig neue Sprache lernen muss und gleichzeitig mit einem vollkommen anderen Kulturkreis konfrontiert wird. Alles, was sie aus ihrer Heimat kannten, war plötzlich Vergangenheit. Trotzdem hatten sie eine gemeinsame Überzeugung: hart arbeiten, bescheiden leben und für die Zukunft vorsorgen. Obwohl das Geld knapp war, haben sie früh angefangen zu sparen. Sie wussten, dass Vermögensaufbau kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Auch kleine Beträge können über viele Jahre etwas Großes bewirken. Deshalb legten sie jeden Monat Geld für mich zurück – manchmal waren es nur 50 D-Mark. Entscheidend war aber nicht die Höhe des Betrags, sondern dass sie überhaupt angefangen haben.

Das Sparbuch und warum es sich heute verändert hat

Damals gab es noch das bekannte gelbe Sparbuch der Sparkasse. Mit Zinssätzen von rund vier bis fünf Prozent war das Sparbuch tatsächlich eine sinnvolle Möglichkeit, Geld für die Zukunft zurückzulegen. So wurde mir das Thema Vorsorge praktisch in die Wiege gelegt. Nicht, weil meine Eltern mir Vorträge darüber gehalten hätten, sondern weil sie es mir jeden Tag vorgelebt haben. Heute sieht die Welt allerdings anders aus. Ein Sparbuch bringt inzwischen oft weniger als ein Prozent Zinsen. Gleichzeitig liegt die Inflation langfristig im Durchschnitt bei etwa zwei bis drei Prozent pro Jahr. Das bedeutet: Das Geld wächst zwar nominal, verliert aber real jedes Jahr an Kaufkraft.

Genau deshalb ist es wichtig, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Was vor 30 Jahren die richtige Entscheidung war, muss heute nicht mehr die beste Lösung sein. Ich finde, man sollte seine Strategien regelmäßig hinterfragen und offen für neue Möglichkeiten bleiben.

Man hört oft den Satz: „Früher war alles besser.“

Ich sehe das etwas differenzierter. Ja, manches war früher tatsächlich besser. Aber genauso gibt es viele Dinge, die heute deutlich besser sind als damals. Gerade technologisch leben wir in einer Zeit mit Möglichkeiten, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Das sollte man nicht unterschätzen. Kinder wachsen heute mit einem deutlich größeren Informationsangebot auf als noch vor zwei Generationen. Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Für mich war jedoch immer wichtig, neuen Technologien offen gegenüberzustehen und sie sinnvoll für mich zu nutzen.

Warum meine Kinder ein ETF-Depot besitzen

Weil meine Eltern mir diesen Weitblick vorgelebt haben, gehört langfristige Vorsorge für mich ganz selbstverständlich zum Leben. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass auch meine Kinder möglichst früh mit dem Vermögensaufbau beginnen sollen. Schon an dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickten, erhielt jedes Kind ein eigenes ETF-Depot. Ein Teil ihres Kindergeldes fließt seitdem jeden Monat automatisch in einen Sparplan. Mit ihrem 18. Geburtstag gehört ihnen dieses Depot vollständig. Meine Aufgabe besteht aber nicht nur darin, Monat für Monat Geld für sie zu investieren. Genauso wichtig ist es mir, ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit Geld und das Thema Investieren näherzubringen. Sobald sie lesen, schreiben und rechnen können und die nötige Reife besitzen, möchte ich sie Schritt für Schritt an das Thema heranführen. Nicht mit komplizierten Fachbegriffen, sondern so, dass sie selbst verstehen, warum langfristiges Investieren so wertvoll sein kann. Ich kann mir beispielsweise gut vorstellen, ihnen irgendwann einen Lesezugriff auf ihr Depot zu geben. So können sie selbst beobachten, wie sich ihr Vermögen entwickelt – dass es gute Börsenjahre gibt, aber eben auch schlechte. Ich bin überzeugt, dass man den Umgang mit Geld am besten versteht, wenn man ihn selbst erlebt. Genau diese Erfahrungen halte ich für unbezahlbar. Außerdem spiele ich mit verschiedenen Ideen, wie ich ihnen den Umgang mit Geld ganz praktisch vermitteln kann. Nehmen wir an, sie verdienen später in ihrem ersten Nebenjob 500 Euro im Monat. Dann würde ich mir wünschen, dass sie beispielsweise 100 Euro zusätzlich investieren, 150 Euro auf ein Tagesgeldkonto legen und den Rest frei ausgeben dürfen.

Denn auch das gehört dazu: eigene Erfahrungen sammeln.

Vielleicht kaufen sie etwas, worüber sie sich später freuen. Vielleicht geben sie Geld für Dinge aus, die sich im Nachhinein als unnötig herausstellen. Genau daraus lernt man. Wichtig ist nur, dass sie sich irgendwann selbst die Frage stellen: „War mir das wirklich wert?“

Ich werde sie zu nichts zwingen. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Aber ich würde mich freuen, wenn sie Interesse an diesem Thema entwickeln und erkennen, welchen Unterschied langfristiges Denken machen kann. Natürlich gibt es auch ein Worst-Case-Szenario: Sie könnten mit 18 alles verkaufen und das Geld innerhalb kürzester Zeit ausgeben – für einen Porsche, teure Partys oder andere spontane Wünsche. Ganz ausschließen kann man das nie. Trotzdem glaube ich daran, dass sie vernünftig mit ihrem Geld umgehen werden. Nicht, weil ich es ihnen vorschreibe, sondern weil sie es hoffentlich genauso erleben, wie ich es erleben durfte: durch Vorbilder. Schließlich haben meine Eltern es mir vorgelebt – und ich hoffe, dass ich dieses Wissen eines Tages an meine Kinder weitergeben kann. Vielleicht führen sie diese Tradition später selbst fort und investieren eines Tages für ihre eigenen Kinder. Dann hätte dieser ETF-Sparplan weit mehr geschaffen als nur Vermögen: Er hätte eine Denkweise weitergegeben, die Generationen verbinden kann.

Zusammengefasst

Wenn ich meine Motivation auf den Punkt bringen müsste, wären es genau diese fünf Gründe:

1. Zeit ist der größte Vermögenshebel

Kinder haben einen Vorteil, den Erwachsene nicht mehr zurückbekommen können: Zeit. Je früher Geld investiert wird, desto länger kann der Zinseszinseffekt arbeiten. Aus kleinen monatlichen Beträgen kann über 18 Jahre bereits ein beachtliches Vermögen entstehen. Bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro in einen MSCI World ETF und einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von sieben Prozent pro Jahr ergibt sich nach 18 Jahren ein Vermögen von rund 43.100 Euro. Eingezahlt wurden in dieser Zeit lediglich 21.600 Euro. Rund 21.500 Euro stammen allein aus der Wertentwicklung des Investments.

2. Ein finanzieller Startvorteil

Mit 18 Jahren beginnt für viele junge Erwachsene ein neuer Lebensabschnitt. Ausbildung, Studium, Führerschein, Auslandssemester oder die erste eigene Wohnung – all das kostet Geld. Statt mit Schulden oder finanziellen Sorgen zu starten, erhalten meine Kinder ein Fundament, das ihnen mehr Freiheit und bessere Entscheidungen ermöglicht.

3. Investieren wird zur Selbstverständlichkeit

Ich möchte meinen Kindern nicht nur Geld hinterlassen, sondern ihnen auch zeigen, wie Vermögensaufbau funktioniert. Wenn sie von klein auf erleben, dass regelmäßig investiert wird und Vermögen langfristig wächst, entwickeln sie hoffentlich einen gesunden Umgang mit Geld und führen diese Gewohnheit später eigenständig fort.

4. Das Geld arbeitet früher als sie selbst

Während viele Menschen erst mit Mitte oder Ende zwanzig anfangen zu investieren, arbeitet das Vermögen meiner Kinder bereits seit ihrer Geburt für sie. Dadurch verschaffen sie sich einen Vorsprung, den man später nur schwer wieder aufholen kann.

5. Ein Geschenk, das Generationen verändern kann

Mein Ziel ist nicht, meinen Kindern jeden Wunsch zu erfüllen. Mein Ziel ist es, ihnen Möglichkeiten zu eröffnen. Ein früh aufgebautes Vermögen kann der Grundstein für den Kauf einer ersten Immobilie, die finanzielle Unabhängigkeit oder den langfristigen Vermögensaufbau sein.