Warum ich mir gerne Zeit für das Auto nehme
Als unser alter Hyundai nur noch einen Verkaufswert von etwa 2.000 bis 3.000 Euro hatte, standen wir vor einer Entscheidung: verkaufen oder behalten. Wir entschieden uns dafür, ihn als Zweitwagen weiterzufahren. Rückblickend war genau das die richtige Entscheidung. Statt ihn abzugeben, wurde er zu meiner persönlichen Lernplattform. Schritt für Schritt begann ich, Wartungs- und Reparaturarbeiten selbst zu übernehmen. Dadurch habe ich nicht nur viel Geld gespart, sondern auch ein Hobby entdeckt, das mich bis heute begeistert.

Ein Auto ist nicht überall notwendig
Ich wohne inzwischen nicht mehr mitten in der Stadt, sondern in einem ruhigen Vorort vor den Toren Münchens. Hier hilft mir das Auto dabei, bequem von A nach B zu kommen. Gerade wenn der große Wocheneinkauf für die ganze Familie ansteht, macht es den Alltag deutlich einfacher. Trotzdem sind Bus und Bahn hier gut ausgebaut. Und als jemand, der sein ganzes Leben in München verbracht hat, weiß ich, dass man dort nicht zwingend ein eigenes Auto braucht. Meine Frau und ich haben uns ganz bewusst für ein ruhigeres Leben außerhalb der Stadt entschieden. Gleichzeitig spielte auch die finanzielle Seite eine wichtige Rolle. Mitten in München eine Familie in einer kleinen Wohnung zu gründen – so wie ich es aus meiner eigenen Kindheit kannte – war für mich keine Vorstellung, die ich mir für unsere Zukunft gewünscht habe. Also haben wir gemeinsam abgewogen, was uns wirklich wichtig ist und auf welche Dinge wir verzichten können. Letztendlich fiel die Entscheidung auf den Vorort, weil das Gesamtpaket einfach stimmte. Die Immobilien waren bezahlbarer, es gab mehr Platz und das Umfeld war deutlich familienfreundlicher. Gleichzeitig wurde uns schnell bewusst, dass das Auto hier einen ganz anderen Stellenwert einnimmt. Während es in München eher ein Komfortgegenstand war, wurde es außerhalb der Stadt zu einem echten Alltagshelfer. Seitdem wir hier wohnen, sagt meine Frau öfter scherzhaft, ich bin wie ein Amerikaner und kann nicht auf das Auto verzichten. Ganz unrecht hat sie damit vermutlich nicht. Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Thema.
Warum wir uns für ein größeres Familienauto entschieden haben
Bevor unser erstes Kind zur Welt kam, hatte meine Frau einen großen Wunsch: ein neues Auto. Unser Hyundai i20 aus dem Jahr 2008 war ihr auf Dauer zu klein, zu langsam, zu unbequem und schlicht nicht mehr alltagstauglich für eine wachsende Familie. Außerdem bekamen wir von Freunden und Bekannten mit Kindern immer wieder denselben Rat: Wenn es finanziell möglich ist, sollte man sich lieber gleich ein größeres Familienauto anschaffen. Spätestens wenn Kinderwagen, Wickeltasche, Wechselkleidung, Spielzeug und der Wochenendeinkauf gleichzeitig transportiert werden müssen, ist man über jeden zusätzlichen Platz im Kofferraum dankbar. Nach einer längeren Suche fanden wir schließlich genau das Auto, das zu uns passte: einen zehn Jahre alten Mercedes B 250 in Calcitweiß. Er erfüllte praktisch alle unsere Wünsche – mehr Platz, mehr Komfort und dank des Sportpakets viel mehr Power, für meine Frau.
Aus einem Auto wurden plötzlich zwei
Eigentlich war der Plan, den Hyundai nach dem Kauf des Mercedes zu verkaufen. Doch schon nach kurzer Zeit merkten wir, dass zwei Autos unseren Alltag erheblich erleichterten. Jeder konnte unabhängig zur Arbeit fahren, spontane Termine waren einfacher zu organisieren und wir mussten uns nicht ständig abstimmen, wer wann das Auto benötigt. Natürlich hat diese Entscheidung auch ihre Kehrseite. Zwei Autos bedeuten doppelte Wartung, zweimal Reifenwechsel zwischen Sommer- und Winterrädern sowie höhere laufende Kosten für Versicherung, Steuer, Kraftstoff und Reparaturen. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Trotzdem überwiegen für uns die Vorteile im Alltag deutlich.
Mein Experiment als Hobbymechaniker
Mein Hauptargument war aber folgendes: Für den Hyundai bekamen wir zu der Zeit laut Autoscout zwischen 2000 bis 3000 EUR. Heute möglicherweise sogar noch weniger.
Daher hatte ich folgende Idee:
Wir beschlossen, beide Autos zunächst für die nächsten zwölf Monate zu behalten und anschließend zu beobachten, ob sich diese Entscheidung langfristig wirklich lohnt. Um die laufenden Kosten des Hyundai möglichst gering zu halten, nahm ich mir vor, alle Wartungsarbeiten – mit Ausnahme der Bremsen – selbst durchzuführen. Zum Glück gibt es heutzutage unzählige YouTube-Tutorials, die Schritt für Schritt erklären, wie man die Autos instand hält. Und selbst wenn einmal etwas schiefgehen sollte, dachte ich mir: Mei, dann ist es eben so. Dieses Risiko und dieses Lehrgeld nehme ich im Kauf. Der Hyundai war zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch rund 2.000 bis 3.000 Euro wert. Das finanzielle Risiko hielt sich also in Grenzen und ich wollte wissen, ob in der Lage bin, dass Auto mit meinen Fähigkeiten im Schuss zu halten. Genau in dieser Zeit setzte ich mir ein neues Ziel: Ich wollte zum Hobbymechaniker werden.
Diese Arbeiten übernahm ich selbst
Ich begann nach und nach, immer mehr Arbeiten selbst zu übernehmen:
Batteriewechsel
Glühbirnen (H7 und Bremslichter) austauschen
Scheinwerfer aus- und einbauen
Zündkerzen wechseln
Öl- und Ölfilterwechsel
Räder wechseln
Luftfilter wechseln
Kraftstofffilter wechseln
Entrostung
Scheibenwischer
Später kamen sogar kleinere Lackier- und Polierarbeiten hinzu.
Dellenreparatur auf Vorder- und Rückstange
Natürlich achtete ich dabei immer auf die empfohlenen Wartungsintervalle. Arbeiten, die sicherheitsrelevant waren – beispielsweise an der Bremsanlage – oder spezielle Ausrüstung erforderten, wie das Befüllen der Klimaanlage oder Bremsflüssigkeit, ließ ich weiterhin von einer Werkstatt erledigen. Dadurch blieben die Wartungskosten insgesamt dennoch sehr überschaubar.
Zwischenfazit nach sieben Jahren
Nach inzwischen fast sieben Jahren würde ich dieselbe Entscheidung jederzeit wieder treffen. Der Hyundai fährt noch immer zuverlässig und hat mehrere TÜV-Prüfungen bestanden. Noch wichtiger ist aber etwas anderes: Ich habe Fähigkeiten gelernt, die mir niemand mehr nehmen kann. Heute habe ich keine Angst mehr davor, einen Scheinwerfer auszubauen, eine Batterie zu wechseln oder Rost zu beseitigen. Früher hätte ich dafür sofort eine Werkstatt aufgesucht. Rückblickend ging es also nie nur darum, Geld zu sparen. Es ging darum, etwas Neues zu lernen, selbstständiger zu werden und die Hemmschwelle abzubauen, Dinge einfach einmal auszuprobieren. Genau deshalb nehme ich mir heute gerne Zeit für meine Autos. Nicht, weil ich muss – sondern weil ich dabei jedes Mal etwas dazulerne und es sich sehr erfüllend fühlt.