Wie ich zur Welt der Finanzen fand
Finanzen haben mich lange Zeit kaum interessiert. Erst einige teure Fehlentscheidungen, berufliche Veränderungen und die Suche nach einer sinnvollen Anlagestrategie führten dazu, dass ich mich intensiv mit Vermögensaufbau beschäftigte. In diesem Artikel erzähle ich, wie diese Reise begann und welche Erkenntnisse sie bis heute geprägt haben.

Finanzen waren eigentlich nie ein Thema, das mich besonders begeistert hat – obwohl ich während meines Studiums (2012/2013) Marketing und Finanzen als Schwerpunkte gewählt hatte.
Nach meinem Masterabschluss stand mein erster Vollzeitjob bevor. Doch noch bevor ich ins Berufsleben startete, erhielt ich einen Anruf von meiner damaligen Hausbank, der Stadtsparkasse München. Wenn ich mich richtig erinnere, war das im Dezember 2014.
Man bot mir einen Beratungstermin in der Filiale an, um über verschiedene Finanzprodukte zu sprechen. Ich sagte zu – und genau an diesem Punkt beginnt meine persönliche Reise in die Welt der Finanzen und daran möchte ein Stück tiefer anknüpfen.
Der Beratungstermin bei der Bank
In der Filiale wurde ich von einem jungen Bankberater beraten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich kaum praktische Erfahrungen mit Finanzprodukten und ließ mir verschiedene Angebote erklären. Einige davon waren sinnvoll, andere rückblickend eher weniger:
Haftpflichtversicherung (sinnvoll)
Lebensversicherung (rückblickend wenig sinnvoll)
Bausparvertrag (für meine damalige Situation nicht sinnvoll)
Investmentfonds (grundsätzlich sinnvoll) – zu einem Abschluss kam es allerdings nicht, weil mir das Thema damals noch zu komplex erschien.
Das Gespräch war fachlich zu meiner Zeit sehr anspruchsvoll, und viele Zusammenhänge rund um Investments verstand ich damals noch nicht vollständig. Rückblickend hätte ich deutlich mehr Fragen stellen oder mich bereits vor dem Termin besser vorbereiten sollen. Am Ende des Gesprächs schloss ich eine Haftpflichtversicherung, eine Lebensversicherung und einen Bausparvertrag ab.
Meine erste wichtige Finanzlektion
Heute, mehr als zehn Jahre später, kann ich mit Überzeugung sagen, dass die Lebensversicherung die schlechteste finanzielle Entscheidung dieser Zeit war. Damals war mir nicht bewusst, wie teuer und renditeschwach dieses Produkt tatsächlich ist. Erst viele Jahre später, als ich mich intensiver mit den Vertragsunterlagen beschäftigte, wurde mir klar, welche Kosten und Bedingungen sich dahinter verbargen.
Rückblickend wäre es deutlich klüger gewesen, sämtliche Unterlagen zunächst mit nach Hause zu nehmen, sie in Ruhe zu lesen und erst anschließend eine Entscheidung zu treffen. Aber wie so oft im Leben wird man erst im Nachhinein schlauer. Immerhin konnte ich die monatliche Sparrate später etwa um die Hälfte reduzieren – der Vertrag läuft allerdings bis heute weiter.
Wichtig ist mir dabei eines zu betonen: Die Verantwortung dafür trug nicht der Bankberater, sondern ich selbst. Ich war damals noch zu juniorig, stellte zu wenige kritische Fragen und unterschrieb Verträge, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Heute sehe ich das als wertvolle Erfahrung. Oder wie es so schön heißt: „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.“ oder wie eins mein sehr geschätzte Arbeitskollege sagte: „Take the good stuff and leave the junk behind“.
Mehr Einkommen, neue Fragen
Etwa ein Jahr später wurde mir schließlich bewusst, dass auch der Bausparvertrag für meine persönliche Situation keine gute Entscheidung gewesen war.
Zu dieser Zeit, also nach 13 Monaten Vollzeitarbeiten, hatte sich beruflich einiges verändert. Ich war intern in eine neue Position gewechselt und verdiente inzwischen deutlich mehr – mein Gehalt war innerhalb eines Jahres um über 50 % gestiegen. Gleichzeitig blieb mein Lebensstil nahezu unverändert. Dadurch konnte ich jeden Monat deutlich mehr Geld zurücklegen. Zum ersten Mal stellte ich mir ernsthaft die Frage, wie ich dieses Geld sinnvoll einsetzen könnte.
Vom Sparen zum Investieren
Rückblickend verlief mein Denken ungefähr so:
In meinen ersten Berufsjahren hatte ich zwei klare Ziele. Zum einen wollte ich die Schulden aus meinem Studium möglichst schnell zurückzahlen. Zum anderen wollte ich mir fachlich so viel Wissen wie möglich aneignen, um langfristig einen besser bezahlten Job zu bekommen. Beides trat bereits nach rund einem Jahr ein. Ich hatte das große Glück, einen Vorgesetzten zu haben, mit dem ich mich hervorragend verstand. Er erkannte mein Potenzial früh, förderte mich intensiv und ermöglichte mir dadurch eine schnelle berufliche Entwicklung. Dafür bin ich ihm bis heute sehr dankbar. Danke, Ole. 😊 Nach meinem ersten Berufsjahr war ich schuldenfrei und konnte jeden Monat deutlich über 1.000 Euro sparen. Zum ersten Mal in meinem Leben stellte sich nicht mehr die Frage, ob ich Geld zurücklegen konnte, sondern wie ich mein Erspartes sinnvoll investieren sollte.
Zwei Stärken, eine gemeinsame Strategie
Zumal meine damalige Freundin – und heutige Frau – schon immer außergewöhnlich gut sparen konnte, war es für uns ideal, unsere jeweiligen Stärken miteinander zu kombinieren. Anstatt beide nur zu sparen, sollte unser Geld komplementär für uns arbeiten. Sie war hervorragend darin, Geld zurückzulegen, während ich mich intensiv mit dem Investieren beschäftigte.
Dabei stellte ich schnell fest, dass Investieren eigentlich gar nicht so komplex ist, wenn das System einmal sauber aufgesetzt wurde. Danach braucht es vor allem Disziplin und Geduld. Ich nenne diesen Ansatz gerne „Lazy Investing“, weil sich an der grundlegenden Strategie über viele Jahre kaum etwas ändern muss. Die Zeit wird es schon regeln.
Der Wendepunkt
Rückblickend war das für mich einer der wichtigsten Wendepunkte in meinem Leben. Irgendetwas hat damals in meinem Kopf einen Schalter umgelegt. Plötzlich begann ich, mich immer intensiver für das Thema Finanzen zu begeistern und wollte verstehen, wie Vermögensaufbau langfristig wirklich funktioniert. Erst viel später wurde mir bewusst, dass ich mit meinem allerersten ETF Sparplan das Fundament für meinen Vermögensaufbau gelegt hatte. Dabei war nicht entscheidend, wie hoch die erste Sparrate war. Entscheidend war, überhaupt anzufangen und konsequent dranzubleiben. Denn genau diese Kontinuität machte langfristig den größten Unterschied aus.