Warum mein ETF-Portfolio genau so aufgebaut ist
Warum ich mich bewusst für genau diese vier ETFs entschieden habe. In diesem Artikel erkläre ich meine langfristige Investmentstrategie, weshalb Diversifikation für mich wichtiger ist als Trends und warum ich mein Portfolio nur selten anpasse.

Es gibt mittlerweile unzählige ETF-Portfolios. Manche setzen ausschließlich auf den MSCI World, andere investieren in den FTSE All-World und wieder andere verfolgen komplexe Faktorstrategien mit zehn oder mehr ETFs. Nach vielen Jahren des Lesens, Vergleichens und Hinterfragens habe ich für mich eine Strategie gefunden, hinter der ich langfristig vollständig stehen kann.
Mein Portfolio besteht aus lediglich vier ETFs:
40 % MSCI World (WKN: A2N6CW)
10 % MSCI World Small Caps (WKN: A2DWBY)
30 % MSCI Emerging Markets (WKN: A111X9)
20 % STOXX Europe 600 (WKN: LYX0Q0)
Diese Gewichtung orientiert sich bewusst nicht eins zu eins an der aktuellen Marktkapitalisierung der Welt, sondern an meiner persönlichen Überzeugung, wie ich langfristig investieren möchte. Dabei geht es mir nicht darum, den Markt zu schlagen. Mein Ziel ist vielmehr, eine Strategie zu entwickeln, die ich über Jahrzehnte konsequent durchhalten kann. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Mein wichtigstes Ziel: langfristig investieren
Bevor ich überhaupt über einzelne ETFs nachgedacht habe, war für mich eine andere Frage viel wichtiger:
Welche Strategie kann ich vermutlich die nächsten 20 bis 40 Jahre konsequent durchhalten?
Denn meiner Erfahrung nach scheitern viele Anleger nicht an der Auswahl ihrer ETFs, sondern daran, dass sie ihre Strategie ständig verändern. Heute ist es der KI-Hype. Morgen vielleicht Wasserstoff. Danach Europa. Dann wieder die USA. Immer gibt es neue Trends und vermeintlich bessere Strategien. Ich wollte genau das vermeiden. Mein Ziel war es, ein Portfolio aufzubauen, das ich mit gutem Gewissen jahrzehntelang besparen kann, ohne ständig neue Trends verfolgen oder meine Allokation hinterfragen zu müssen.
40 % MSCI World – das stabile Fundament
Der MSCI World bildet das Herzstück meines Portfolios. Er investiert in rund 1.500 große und mittelgroße Unternehmen aus den entwickelten Industrieländern. Dadurch erhält man automatisch Beteiligungen an vielen der erfolgreichsten Unternehmen der Welt.
Dazu gehören unter anderem:
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Visa
Johnson & Johnson
Für mich bildet der MSCI World deshalb das stabile Fundament meines langfristigen Vermögensaufbaus.
Warum ich den hohen US-Anteil bewusst reduziere
Ein Punkt hat mich allerdings immer beschäftigt. Der MSCI World heißt zwar "World", tatsächlich entfallen derzeit rund 70 % des Index auf die USA. Das liegt daran, dass der Index nach Marktkapitalisierung gewichtet wird. Je größer amerikanische Unternehmen werden, desto stärker steigt automatisch ihr Anteil. In den vergangenen Jahren wurde dieser Effekt zusätzlich durch die sogenannten Magnificent Seven verstärkt:
Apple
Microsoft
Amazon
Alphabet
Meta
NVIDIA
Tesla
Ich halte diese Unternehmen für hervorragend und glaube weiterhin an die Innovationskraft der USA. Trotzdem möchte ich mein Vermögen langfristig breiter aufstellen. Nicht, weil ich gegen die USA investiere. Sondern weil Diversifikation für mich wichtiger ist als eine möglichst hohe Gewichtung der aktuell erfolgreichsten Region.
20 % STOXX Europe 600 – mehr Balance im Portfolio
Genau aus diesem Grund habe ich den STOXX Europe 600 aufgenommen. Er investiert in rund 600 Unternehmen aus ganz Europa und erhöht dadurch den europäischen Anteil meines Portfolios.
Für mich erfüllt dieser ETF zwei Aufgaben:
Er reduziert den hohen US-Anteil.
Er sorgt für eine ausgewogenere regionale Diversifikation.
Europa entwickelt sich wirtschaftlich oftmals anders als die USA.Während amerikanische Börsen häufig von großen Technologieunternehmen dominiert werden, spielen in Europa Industrie, Gesundheitswesen, Konsumgüter, Versicherungen und viele weitere Branchen eine deutlich größere Rolle. Ich sehe Europa deshalb nicht als Konkurrenz zu den USA, sondern als sinnvolle Ergänzung.
30 % Emerging Markets – meine persönliche Übergewichtung
Der vermutlich größte Unterschied zu vielen klassischen ETF-Portfolios ist mein hoher Emerging-Markets-Anteil. Im weltweiten Aktienmarkt machen Schwellenländer ungefähr zehn Prozent aus. Ich investiere jedoch bewusst rund 30 Prozent. Warum? Weil ich persönlich langfristig großes Potenzial in diesen Regionen sehe.
Dazu gehören beispielsweise:
China
Taiwan
Indien
Brasilien
Indonesien
Mexiko
Südafrika
Natürlich gibt es dort höhere politische und wirtschaftliche Risiken. Genau deshalb gewichten viele Anleger diese Regionen eher niedrig. Ich sehe diese Risiken durchaus. Dennoch glaube ich, dass viele dieser Volkswirtschaften in den kommenden Jahrzehnten wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen werden. Diese Übergewichtung ist deshalb keine mathematische Entscheidung. Sie basiert auf meiner persönlichen Überzeugung.
10 % MSCI World Small Caps – die fehlende Unternehmensgröße ergänzen
Der klassische MSCI World investiert ausschließlich in große und mittelgroße Unternehmen. Kleinere Unternehmen fehlen nahezu vollständig. Dabei entstehen gerade dort häufig Innovationen und zukünftige Marktführer. Deshalb ergänze ich mein Portfolio um den MSCI World Small Caps.
Dadurch investiere ich bewusst in:
Large Caps
Mid Caps
Small Caps
Ich diversifiziere also nicht nur über Regionen, sondern gleichzeitig auch über unterschiedliche Unternehmensgrößen. Diese zusätzliche Streuung war mir von Anfang an wichtig.
Warum ich bewusst nur vier ETFs besitze
Immer wieder sehe ich Portfolios mit zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig verschiedenen ETFs. Meiner Meinung nach entsteht dadurch häufig eine Scheindiversifikation. Viele ETFs überschneiden sich ohnehin. Mein Ziel war deshalb ein möglichst einfaches Portfolio. Vier ETFs. Vier Sparpläne. Keine komplizierten Faktorwetten. Keine ständigen Anpassungen. Je einfacher eine Strategie ist, desto größer ist aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit, sie auch wirklich jahrzehntelang konsequent umzusetzen.
Rebalancing: So wenig wie möglich, so viel wie nötig
Ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Strategie ist das sogenannte Rebalancing. Durch unterschiedliche Kursentwicklungen verschieben sich die Gewichtungen meines Portfolios automatisch. Steigen beispielsweise die Emerging Markets über mehrere Jahre besonders stark, erhöht sich ihr Anteil am Gesamtportfolio. Umgekehrt kann ihr Anteil auch sinken, wenn andere Regionen besser laufen. Genau deshalb überprüfe ich mein Portfolio höchstens einmal pro Jahr. Nur wenn die ursprüngliche Allokation deutlich von meinen Zielwerten abweicht, nehme ich eine Umschichtung vor.
Warum mir die Regression zum Mittelwert wichtig ist
Ein Gedanke, der meine Investmentstrategie maßgeblich geprägt hat, ist die Regression zum Mittelwert (Regression to the Mean). Auf dieses Prinzip bin ich unter anderem durch den YouTube-Kanal Finanzfluss aufmerksam geworden.
Die Grundidee lautet:
Außergewöhnlich gute oder außergewöhnlich schlechte Entwicklungen halten meist nicht ewig an. Langfristig nähern sich viele Entwicklungen wieder ihrem historischen Durchschnitt an. Ein Beispiel aus dem Fußball macht dieses Prinzip für mich besonders anschaulich. Harry Kane gehört seit vielen Jahren zu den besten Stürmern der Welt. Dennoch schießt er nicht jede Saison exakt gleich viele Tore. Manchmal erzielt er außergewöhnlich viele Treffer, manchmal etwas weniger. Niemand würde jedoch behaupten, dass seine außergewöhnlichste Saison automatisch sein neues Normalniveau darstellt. Entscheidend ist vielmehr seine durchschnittliche Leistung über viele Jahre. Genau so betrachte ich auch mein ETF-Portfolio. Wenn beispielsweise Europa oder die Emerging Markets mehrere Jahre außergewöhnlich gut laufen, bedeutet das für mich nicht automatisch, dass ich diese Positionen dauerhaft stärker gewichten möchte. Ebenso wenig reduziere ich eine Position nur deshalb, weil sie kurzfristig schlechter gelaufen ist. Meine ursprüngliche Allokation basiert auf einer langfristigen Überzeugung und nicht auf der Performance eines einzelnen Jahres. Deshalb führe ich regelmäßig ein Rebalancing durch und kehre bewusst wieder zu meiner ursprünglichen Gewichtung zurück. Für mich bedeutet Rebalancing nicht, Gewinner zu bestrafen oder Verlierer zu belohnen. Es bedeutet vielmehr, meiner langfristigen Strategie treu zu bleiben.
Steuern intelligent berücksichtigen
Beim Rebalancing spielt für mich auch das Thema Steuern eine wichtige Rolle. Wenn beim Umschichten Gewinne realisiert werden müssen, versuche ich diese möglichst innerhalb meines jährlichen Sparer-Pauschbetrags vorzunehmen, sofern dieser noch nicht ausgeschöpft ist.Dadurch kann ich meine ursprüngliche Allokation wiederherstellen und gleichzeitig den verfügbaren Freibetrag sinnvoll nutzen. Ich möchte also weder den Markt timen noch ständig auf neue Trends reagieren. Mein Ziel ist ausschließlich, mein Portfolio langfristig in der ursprünglich geplanten Struktur zu halten.
Mein Fazit
Mein ETF-Portfolio ist nicht perfekt. Und es soll es auch gar nicht sein. Es ist die Strategie, die am besten zu meinen persönlichen Überzeugungen passt.
Der MSCI World bildet das stabile Fundament.
Der STOXX Europe 600 reduziert den hohen US-Anteil und erhöht die regionale Diversifikation.
Die Emerging Markets sind bewusst übergewichtet, weil ich langfristig an ihr Potenzial glaube.
Die Small Caps ergänzen Unternehmen, die im klassischen MSCI World fehlen.
Ein jährliches Rebalancing sorgt dafür, dass ich meiner ursprünglichen Strategie treu bleibe.
Das Prinzip der Regression zum Mittelwert erinnert mich daran, außergewöhnliche Entwicklungen nicht überzubewerten.
Genau deshalb besteht mein Portfolio aus nur vier Kern-ETFs. Diese Strategie gibt mir das gute Gefühl, weltweit über verschiedene Regionen, Unternehmensgrößen und Branchen hinweg investiert zu sein, ohne unnötig kompliziert zu werden. Ich weiß nicht, ob dieses Portfolio in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren besser abschneiden wird als andere Strategien. Und ehrlich gesagt ist das auch gar nicht mein Ziel. Mein Ziel ist es, eine Strategie zu besitzen, hinter der ich auch in 30 Jahren noch mit voller Überzeugung stehen kann.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Anlagestrategie und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Jeder Anleger sollte seine finanzielle Situation, seine Risikobereitschaft und seine Anlageziele individuell berücksichtigen.
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